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Hauterscheinungen bei akuter Arsenvergiftung

Aus dem Wakayama Curry-Vergiftungsfall

Dieser Fall gibt uns etliche visuelle Informationen, die sich im Arzneimittelbild von arsenicum album wiederfinden.

Originalartikel von K. Uede & F. Furukawa – Erschienen im British Journal of Dermatology im November 2003.

Deutsche Zusammenfassung der homöopathisch relevanten Teile: Frauke Girus-Nowoczyn. Mit freundlicher Genehmigung der Autoren.

Vier Menschen starben und 63 weitere erkrankten nach dem Genuss eines mit Arsen versetzten Curry bei einem Festival in Wakayama am 25. Juli 1998. 56% der Opfer zeigten Hauterscheinungen, die dokumentiert wurden. Hauterscheinungen bei akuten Arsenvergiftungen sind bisher selten beobachtet worden. Sie könnten aber für uns wertvolle Anregungen zur Auffindung des Arzneimittels darstellen, deshalb hier eine Übersetzung der für Homöopathen interessanten Teile des Artikels und die Bilder.

Betroffen waren Menschen im Alter zwischen 1 und 68 Jahren, darunter 4 schwangere Frauen. 56% der Erkrankten entwickelten sofort oder innerhalb der ersten 2 Wochen Hauterscheinungen. 13 von ihnen hatten ein Gesichtsödem, 5 ein flüchtiges Erythem besonders tagsüber, Einblutungen in der Bindehaut kam bei 15 Patienten vor.

Bildlich dokumentiert sind:

Leicht juckende maculopapulare Hautausschläge (kleine rötlichbraune, erythematöse Bläschen) besonders in den Körperfalten symmetrisch auftretend und in Scheuerbereichen bei 8 Personen (Bild 1), sie gingen einher mit Störungen der Leberfunktion.

Diese Hauterscheinungen erschienen auch am unteren Abdomen, am Po und rechts und links am Brustkorb (Bild 2), an den Innenseiten der Extremitäten, sowie im Lumbarbereich wo die Unterwäsche auf der Haut auflag. Der Ausschlag verschwand nach 2-3 Wochen, hinterließ in manchen Fällen dunkler pigmentierte Stellen.
Abschilferung der Akren ähnlich wie man es bei Scharlach beobachten kann (Bild3) bei 11 Personen, dieses erschien früher und blieb besonders lange bei Kindern.
Veränderungen an den Fingernägeln, wie z.B. weiße Flecken, Quer- und Längsrillen (Bilder 4 & 5)

Des weiteren kamen Herpesinfektionen vor (Herpes Zoster (1), Windpocken (1) und Herpes labialis (1)) sowie Haarausfall bei 2 Patienten

Eine Untersuchung von 21 Patienten nach drei Monaten ergab eine Veränderung der Fingernägel, darunter Quer- und Längsfurchen in 19 Fällen, Pigmentierung der Fingernägel in 9 und Abschilferungen der Fingerspitzen in vier Fällen.

Bei einer Nachuntersuchung nach einem Jahr zeigten sich keine Krankheitszei-chen mehr. Jährliche Kontrollen in den Jahren 2000-2002 blieben dermatologisch ohne Befund.

Anhang

Tabelle 1. Klinische Zeichen und Laborwerte der 63 Beteiligten am Wakayama Curry-Vergiftungsfall während der ersten 2 Wochen

Klinische und labortechnische Zeichen Anzahl der Opfer mit Abweichungen / Gesamt (%)
Gastrointestinalbereich
Übelkeit 58/63 (92)
Erbrechen 59/63 (94)
Bauchschmerzen 20/63 (32)
Durchfall 34/63 (54)
Psychologisch/neurologisch
Schwäche 20/63 (32)
Kopfschmerzen 27/63 (43)
Lähmungen 3/63 (5)
Parästhesien 3/63 (5)
Konvulsionen 1/63 (2)
Psychosen 1/63 (2)
Dermatologischer Bereich
Exanthem 28/63 (44)
Enanthem 15/63 (24)
Electrolyte
Hypopotassämie 28/47 (60)
Hyperphosphatämie 9/36 (25)
Hämatologisch
Leucocytose 27/45 (60)
Leucopenie 27/57 (47)
Thrombocytopenie 13/22 (59)
Anaemie 22/61 (36)
Hepatischer Bereich
Erhöhrung von Aspartat Aminotransferase 29/59 (49)
Erhöhung von Alanin Aminotransferase 29/59 (49)
Herz/Kreislauf
Hypotension 14/41 (34)
Verlängerter Q-T Intervall 23/45 (51)
T-Zackenveränderung 19/45 (42)
S-T Streckenveränderung 10/45 (22)
Lunge
Kardiomegalie 12/34 (35)
Lungenödem 7/34 (21)
Pleuraerguss 8/34 (24)